Marc Bourgeois
Marc Bourgeois
Kantonsrat Zürich

Städtische Schönheitswettbewerbe foutieren sich um Umwelt und Mieter

Veröffentlicht am 26.01.2011 von Marc Bourgeois | 1 Kommentar(e)

Ein Schub der Raumplanung geht durch die Schweiz. Das in den letzten Tagen auf eidgenössischer Ebene präsentierte Raumkonzept Schweiz wie auch der totalrevidierte Richtplan des Kantons Zürich setzen klar auf eine bauliche Verdichtung nach innen. Unser Land soll keine Betonwüste werden, die Entwicklung soll sich schwerpunktmässig auf den öffentlichen Verkehr ausrichten. Eine bauliche Verdichtung in der Stadt Zürich nützt aber nicht nur der Umwelt – sie bringt auch dringend benötigte Wohnungen.

Bund und Kanton nehmen Forderung der FDP auf

Damit wird realisiert, was die FDP gerade im Zusammenhang mit der Wohnungsknappheit schon lange fordert. Die rot-grüne Stadtzürcher Regierung dagegen setzt andere Prioritäten. Umweltschutz beschränkt sich hier offenbar auf ideologisch getriebenes Schikanieren des Individualverkehrs. Und dies, obwohl der Gebäudesektor mit 45% einen weit grösseren Teil unseres Energiekonsums beansprucht. Ein heutiger Minergie-Neubau verbraucht fast 6 mal weniger Heizöl-Äquivalente als ein Gebäude aus dem Jahr 1975.

Auch privilegierte Quartiere mit grossem Potential für Verdichtung

Gerade der Kreis 7 verfügt über eine grosse Zahl baulich alter Energieschleudern und zugleich über genügend Raum für eine Verdichtung. Die geltende Bau- und Zonenordnung stellt dabei sicher, dass – insbesondere im Vergleich mit anderen Stadtkreisen – immer noch ein grosszügiger Grünraum verbleibt.

Könnte man meinen. Mithilfe des Ästhetik-Paragrafen 238 des kantonalen Planungs- und Baugesetzes hat die Stadt nun allerdings verhindert, dass just in diesem Quartier 35 Wohnungen mittels Ersatzneubau vergrössert und auf einen aktuellen energetischen Stand gebracht werden. Dies, weil die Schönheits-Jury der städtischen Baubehörden eine „unproportionierte, unruhige“ Fassade zu erkennen glaubten. Die Bauherren dagegen beurteilen dieselbe Fassade als „subtil und filigran“, und auch das Echo aus der Nachbarschaft war positiv. Der Stadtrat verbietet, was niemanden stört.

SP-Stadtrat Odermatt liegt mit Verdichtungsverhinderung quer in der Landschaft

Was in der Stadt Zürich als „schön“ gilt, bestimmt heute die Stadtverwaltung abschliessend. Wie viel die Stadtzürcherinnen und Stadtzürcher aber von diesem obrigkeitlichen Schönheitsideal halten, dürfte spätestens seit der Abstimmung über das Nagelhaus bekannt sein.

Währendem Bund und Kanton in der Raumplanung die Zeichen der Zeit erkannt haben, plant der Hochbauvorsteher allen Ernstes eine Revision der Bau- und Zonenordnung, um gegen die fortschreitende Verdichtung vorgehen zu können. SP-Stadtrat Odermatt handelt damit gegen die Interessen der Umwelt und der Mieter.
 

Kommentare
Alex Hug
Was herauskommt, wenn die Linke "sozialen Wohnungsbau" betreibt, wissen wir spätestens seit den DDR-Plattenbauten. Ob die so viel schöner waren...


Zudem ist der Ausdruck "Gemeinnütziger Wohnungsbau" eh Betrug: Im Gegensatz zu Privaten zahlen diese keine Steuern - und profitieren auch noch direkt oder indirekt von Subventionen. Korrekt wäre deshalb der Ausdruck "Mieternützig" statt "Gemeinnützig", denn alle, die nicht drin wohnen, legen drauf.
19.03.2011 17:48:44
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Der verhinderte Ersatzneubau

Ob das alte Gebäude tatsächlich so viel schöner ... (Bild: NZZ / Christoph Ruckstuhl)

... als das neue ist? Geschmackssache, aber sicher nicht Gerichtssache. (Bild: Visualisierung: PD)

Der Tagi meint: Hier wird nicht mit gleichen Ellen gemessen