Marc Bourgeois
Marc Bourgeois
Kantonsrat Zürich

Wer an die Attraktivität des ÖV glaubt, muss den Individualverkehr nicht künstlich behindern.

Veröffentlicht am 11.07.2012 von endurit gmbh | 0 Kommentar(e)

Deshalb fordere ich endlich wieder mutige Lösungen, die in einer wachsenden Stadt Mobilität erlauben und bei der Wahl des situativ passendsten Verkehrsmittels sinnvolle Anreize bieten. Denn der altbekannte, fanatisch-religiöse Kleinkrieg gegen das teuflische Auto schafft nur böses Blut und hilft weder der Wohnbevölkerung noch der Umwelt.

Der Stadtrat hat gestern das Programm „Stadtverkehr 2025“ vorgestellt, mit dem die Forderungen der vom Volk hauchdünn angenommenen Städteinitiative umgesetzt werden sollen. Er hat damit sowohl Befürworter wie Gegner der Initiative enttäuscht. Die Städteinitiative fordert bekanntlich, den ÖV und den sogenannten „Langsamverkehr“ gegenüber dem Individualverkehr zu stärken. Genaugenommen soll der Autoverkehr in 10 Jahren um fast einen Drittel abnehmen.

Wer den Autoverkehr gängelt, traut dem ÖV offenbar wenig zu

Wenn man nun möchte, dass ein Verkehrsmittel gegenüber einem anderen attraktiver wird, so kann man zwei Dinge tun:

  • Die naheliegende Variante besteht darin, das Angebot dieses Verkehrsmittels, in diesem Fall des öffentlichen Verkehrs, attraktiver zu gestalten.
  • Die Zürcher Variante dagegen besteht darin, vermeintlich konkurrierende Verkehrsmittel auszubremsen, in diesem Fall den Autoverkehr. Das ist, wie wenn Roger Federer nicht an seine Fähigkeiten glauben würde und deshalb Tennisschläger und Schuhe seines Kontrahenten sabotieren würde.

Wenn nun der Stadtrat die zweite Variante wählt, also wo immer möglich in einem täglichen Kleinkrieg den motorisierten Verkehr Stück für Stück künstlich behindert, so lässt dies nur einen Schluss zu: er selber glaubt nicht wirklich an das Potential des ÖV im fairen Wettstreit der Verkehrsmittel. Dazu gibt es aber keinen Anlass: Der fast beängstigende Grosserfolg der S-Bahn, hinter der die FDP seit der ersten Stunde steht und mit Regierungsrat Hans Künzi gar ihren "Vater" stellt, spricht eine deutliche Sprache. Doch auch das andere grosse Verkehrsprojekt der letzten Jahrzehnte im Raum Zürich, die Westumfahrung, ist in seiner Wirkung beeindruckend: Ganze Quartiere wurden von Lärm und Gestank befreit und so aufgewertet – für die einen schon fast zu sehr. Und dies, ohne dass ein einziger Autofahrer vergrämt werden musste. Kein einziges rot-grünes Verkehrsprojekt kann für sich einen solchen Erfolg in Anspruch nehmen.

Stadtrat traut sich nicht, sein ideenloses Kind beim Namen zu nennen

Der Stadtrat spricht nun aber im Rahmen des Programms „Stadtverkehr 2025“ sibyllinisch von „ausgewogenen Lösungen“, „stadtverträglichem MIV“, „stadtverträglichen Verkehrsmitteln“, einer „Steuerung des Parkplatzangebotes“, „Massnahmen in der Parkierung“ und einer „Sensibilisierung von Schülern“. Und traut sich dabei offensichtlich nicht, das ideenlose Kind beim Namen zu nennen: Systematische Behinderung des Autoverkehrs, Parkplatzabbau und politische Indoktrination unserer Kinder. Was er mit diesen verklausulierten Ausdrücken aber sicher nicht meint, sind visionäre Verkehrsprojekte wie die zwei zuvor genannten. Dabei wäre es der Stadtregierung sehr gut angestanden, dieser extremen Initiative mit visionären Ideen zu begegnen.

Mutige Projekte im Bereich des ÖV aber auch des Autoverkehrs gefragt

Was wir aber nicht erwartet haben, ist alter Wein in neuen, mit „Stadtverkehr 2025“ beschrifteten Schläuchen, versehen mit einem eigens kreierten, hübschen Logo. Sondern endlich wieder mutige Lösungen, die in einer wachsenden Stadt Mobilität erlauben und bei der Wahl des situativ passendsten Verkehrsmittels sinnvolle Anreize bieten. Dass dabei der Mehrverkehr wo immer möglich mit zusätzlichen ÖV-Angeboten aufgefangen werden soll, ist für uns selbstverständlich. Dass es zudem Massnahmen für durchgängige, sichere Velorouten braucht, ebenfalls. Dass man daneben mit flüssigen Hauptverkehrsachsen und auch mit gezielten Strassenbauprojekten ganzen Quartieren mehr Luft verschaffen könnte, sollte dabei aber nicht ganz vergessen gehen.

Wir würden lieber über Solches, als über irgendwelche Spuren diskutieren. Denn der altbekannte, fanatisch-religiöse Kleinkrieg gegen das teuflische Auto schafft nur böses Blut, ohne dass damit die Ziele der Städteinitiative im Entferntesten erreicht werden könnten. Denn wer ehrlich an die Attraktivität des ÖV glaubt, braucht den MIV nicht künstlich zu behindern.

 

 

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