Marc Bourgeois
Marc Bourgeois
Kantonsrat Zürich 7+8

"Ich bin liberal, also gegen jeden Zwang, also gegen die Wehrpflicht". Leider falsch.

Veröffentlicht am 31.08.2013 von Marc Bourgeois
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Chris
Basler Zeitung vom 14.09.2013:

Ökonom Milton Friedman bekämpfte in den 1960er-Jahren die Wehrpflicht in den USA – mit Erfolg

Die Aufhebung der Wehrpflicht als urliberale Forderung

Von Andrea Franc

«Die Wehrpflicht ist eine Verfügungsmacht des Staates über das Individuum, welche es aufzuheben gilt», schreiben die Initianten der am 22. September anstehenden Abstimmung über die Aufhebung der Wehrpflicht in der Schweiz. Damit liefern sie der Stimmbevölkerung ein lupenrein liberales Argument, das seit jeher von liberalen Denkern (am prominentesten vom bekannten amerikanischen Ökonomen Milton Friedman) ins Feld geführt worden ist.

Auch die USA kannten die allgemeine Wehrpflicht, den sogenannten Draft, noch bis zu Beginn der 1970er-Jahre und somit während des Vietnam-Kriegs. Zahlreiche junge Männer sind in dieser Zeit nach Kanada geflohen, um sich der Einberufung zu entziehen.

Die Ablehnung der Wehrpflicht kam zunächst von links und wurde von der Studenten- und Anti-Kriegs-Bewegung der 1960er-Jahre geäussert. Friedman war in diesen Jahren Professor für Ökonomie an der Universität Chicago und gehörte zur neoliberalen Bewegung der Nachkriegsjahre, die sich gegen keynesianische Marktinterventionen, Preiskontrollen und für freie Wechselkurse einsetzte. In den 1960er-Jahren radikalisierte und popularisierte sich jedoch Friedmans Haltung. Hatte er dem Staat in seinen frühen Schriften noch eine bedeutende Rolle zugesprochen, so wurde er zum eminenten Staatskritiker und Marktfundamentalisten.

Bereits 1962 hatte er seine Verteidigung des Prinzips des freien Marktes mit dem Buch «Kapitalismus und Freiheit» veröffentlicht; darin forderte er bereits die Aufhebung der Wehrpflicht.Vor allem aber mahnte er das konservative Amerika zu einer Rückbesinnung auf seine Freiheitsliebe. In den Jahren um 1968 wurde «Kapitalismus und Freiheit» zum Bestseller. Es stand in seiner Radikalität den Forderungen der Studentenbewegung dieser Jahre in nichts nach. Während andere Forderungen Friedmans utopisch blieben, war die Aufhebung der Wehrpflicht sein mehrheitsfähigstes Anliegen. Der republikanische Präsidentschaftskandidat Richard Nixon machte die Abschaffung des Draft 1968 zum Wahlkampf­thema und ernannte Friedman zum Mitglied einer Expertenkommission zum Thema Freiwilligenarmee. In einem viel zitierten Schlagabtausch sagte dort ein General der US-Armee, er wolle nicht einem Söldnerheer vorstehen. Friedman antwortete, ob er denn lieber einem Sklavenheer vorstehe? Und überhaupt habe er es nicht gern, wenn patriotische Freiwillige Söldner genannt würden, sonst sei er ein Söldner-Professor und sein Gegenüber ein Söldner-General.

Friedman organisierte US-weite Debatten, an denen er selbst auftrat und seine neoliberalen Gründe für eine Freiwilligenarmee ausführte. Unterstützt wurde er dabei von einem jungen republikanischen Mitglied des Repräsentantenhauses: Donald Rumsfeld, dem späteren Verteidigungsminister der USA, unter dessen Ägide auch völlig private Sicherheitsfirmen wie Blackwater der US-Armee zur Seite stehen sollten.

Bei der Aufhebung des Draft trafen sich die Interessen der Marktfundamentalisten der sogenannten Chicagoer Schule mit den Interessen der linken Studenten. Die verheerenden Verluste des Vietnam-Kriegs und die wachsende Anzahl Kriegsdienstverweigerer in Kanada brachten Friedman Rückenwind. 1973 unterzeichnete Nixon das Ende des Draft.

Die Geschichte der Abschaffung der Wehrpflicht in den USA zeigt allerdings, dass erst das Engagement liberaler und konservativer öffentlicher Personen, die nicht für die Abschaffung waren, sondern im Gegenteil eine Professionalisierung der Armee anstrebten, die Aufhebung der Wehrpflicht erreichen konnten. Das unmissverständliche Bekenntnis zur amerikanischen Armee war Friedmans und Rumsfelds Waffe. Denn Friedman, der ein glänzender Rhetoriker war, debattierte mit seinen Gegnern nicht über Sinn und Zweck der Armee, sondern einzig über deren Bekenntnis zur Freiheit des Einzelnen. Er brachte es fertig, die Wehrpflichtfrage auf ihren Kern zu reduzieren und als Lackmustest für Politiker mit vorgeblich liberaler Gesinnung zu verwenden.

(Andrea Franc ist Wirtschaftshistorikerin und lehrt an der Universität Basel.)
16.09.2013 09:38:40
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John Stuart Mill

* 20. Mai 1806 in Pentonville; † 8. Mai 1873 in Avignon

Englischer Philosoph und Ökonom und einer der einflussreichsten liberalen Denker des 19. Jahrhunderts. Er war Anhänger des Utilitarismus, der von Jeremy Bentham, dem Lehrer und Freund seines Vaters James Mill, entwickelt wurde. Seine wirtschaftlichen Werke zählen zu den Grundlagen der klassischen Nationalökonomie, und Mill selbst gilt als Vollender des klassischen Systems und zugleich als sozialer Reformer.

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